Als ich vor ein paar Wochen irgendwo diese kleine Broschüre mit einer Auflistung aller Hamburger Museen mitgenommen habe, war ich in der Tat zunächst überrascht, wie viele Museen es eigentlich in Hamburg gibt (dass es einige sind, war mir klar, aber so viele?!). Überrascht hat mich auch die Vielfalt der Mussen, und zugegeben, bei einigen mussten wir schon schmunzeln, wie etwa bei dem
Deutschen Zusatzstoffmuseum. Ein Museum für Zusatzstoffe? Wir konnten uns nicht wirklich etwas darunter vorstellen, aber die Neugier siegte letzten Endes doch und wir suchten im Internet nach dem Museum. Und dann war auch schon sehr schnell klar: Da fahren wir hin!
Mit dem Bus ist das Museum sehr gut zu erreichen, denn der hält genau vor der Tür. Allerdings ist der Eingang etwas schwieriger ausfindig zu machen, da der Zugang zum Museum nur durch dieses Drehkreuz möglich ist. Man muss klingen, um es passieren zu können.
Das Museum befindet sich auf dem Gelände des Hamburger Großmarktes, so dass man zunächst eine kleine Strecke auf dem Gelände zurücklegen muss. Wir sind am Wochenende hier, bis auf einige Wenige, arbeitet hier heute niemand und auch die LKW stehen in sonntäglicher Gemütlichkeit still. Unter der Woche sieht das hier sicher ganz anders aus.
Der Weg zum Museum ist gut ausgeschliedert, so dass wir schnell den richtigen Weg finden.
69% der Menschen geben zu, dasss sie nicht wissen, was in Lebensmitteln wirklich enthalten ist.
Zugegeben, da würde ich auch passen müssen. Zwar achte ich bei fast allen Lebensmitteln auf die Zutatenliste, aber wirklich bis ins kleinste Detail alle Inhaltsstoffe kennen? Nicht wirklich.

Aber beginnen wir doch am Anfang. Und am Anfang steht die Geschichte der Lebensmittel. Eine große Übersichtstafel stellt hier sehr anschaulich die Meilensteine der Lebensmittelentwicklung dar. Ich war erstaunt zu lesen, dass bereits 1795 das Prinzip der Haltbarmachung durch Einkochen entdeckt wurde und das
Patente für die Konservendose bereits 1810 vergeben wurden.
Es ist eine Sache, die roten
Läusefarbstoffe in Gummibärchen als einen
Mythos abzutun, die Läuse mit eigenen Augen durch eine Lupe anzusehen
jedoch schon eine ganz andere. Ja, das ist schon ganz schön eklig, findet auch Finja. Seitdem isst sie keine roten Gummibärchen mehr.
Wir schlendern durch den Museumssupermarkt, der sich von einem gewöhnlichen Supermarkt kaum unterscheidet, es gibt eine Tiefkühltruhe und jede Menge Auswahl an Fix-Tüten, Brühe und Milchprodukten. Allerdings kann man hier nicht einkaufen, sondern wird ausführlich über die Herkunft der Inhaltsstoffe informiert.

Die künstliche Aromatisierung von Lebensmitteln ist vor allem eine Kostenfrage, wie in den zahlreichen Schaukästen immer wieder gezeigt wird. Im Beispiel links kann man sehr gut den Unterschied zwischen Brühe und echtem Rindfleischextrakt sehen.
Noch deutlicher wird der Kostenaspekt beim Himbeerjoghurt. Ein Thema, dass uns wirklich nachdenklich gemacht hat.
Um 100 kg Joghurt zu aromatisieren gibt es vier Möglichkeiten:
- Himbeeraroma (naturidentisch) - Herstellung aus künstlichen Grundstoffen: 0,06 €
- Natürliches Aroma Typ Himbeere (aus Sägespänen oder Pilzkulturen): 3,75 €
- Natürliches Himbeeraroma - Himbeeren aus Grundstoff: 12,50 €
- Frische Himbeeren 31,50 €

Gerade beim Himbeer-Joghurt wird die Kosten/Nutzen-Kalkulation besonders deutlich. Selbst wenn man wollte, echte Himbeeren sind nicht nur zu teuer, es gibt nicht mal genug Himbeeren, um den Bedarf zu decken. Lediglich 5% des Bedarfs würde die Himbeer-Produktion überhaupt decken können. Viel zu wenig Himbeeren für viel zu viel Joghurt. "Natürliches Aroma" in der Zutatenliste bedeutet also lediglich, dass der Rohstoff aus dem das Aroma gewonnen wurde, einen natürlichen Ursprung haben muss - so wie das bei
Sägespänen und Pilzkulturen der Fall ist.
Besonders faszinierend wie eklig fanden Finja und ich die
Aroma-Schnupperstation.
Die konzentrierte Aromafülle hat uns schier umgehauen und hatte gar nichts mehr mit wohlschmeckenden Lebensmitteln gemeinsam, für die diese Aromen stehen sollten.
Hier macht es wahrscheinlich einfach die Dosierung. Doch unser Bedarf an Aromen jeder Art war fürs Erste jedenfalls mehr als gedeckt.
Nach unserem Besuch in diesem Museum zähle ich mich um so mehr zu den
69%, die nicht wissen, was in ihrem Essen ist, vor allem deshalb, weil
es so viele Zusatztstoffe gibt, auch dort, wo man sie nicht vermutet,
oder wo sogar eine Deklaration umgangen werden kann. Ich glaube niemand, der
seine Lebensmittel nicht ausschließlich im eigenen Garten anbaut, wird wohl
wirklich zu 100% wissen kann, was in seinem Essen enthalten ist.
Da hilft nur Augen offen halten, immer wieder hinterfragen, informieren und ggf. auf Bio-Produkte zurückzugreifen.
Noch jemand einen Himbeer-Joghurt?
Öffnungszeiten:
- Mittwoch 11-17 Uhr
- Donnerstag 14-20 Uhr
- Freitag 11-17 Uhr
- Sonnabend 11-17 Uhr
- Sonntag 11-17 Uhr
- Montag und Dienstag geschlossen
Eintrittspreise:
- Erwachsene: 3,50 Euro
- Ermäßigte: 2,00 Euro
- Gruppen ab 10 Personen: 2,00 Euro
- Schulklassen pro Person: 2,00 Euro
- Führungen für Gruppen (maximal 20 Personen) 25 Euro zzgl. Eintrittspreis
Adresse:
Deutsches Zusatzstoffmuseum
Banksstraße 28
20097 Hamburg
040 32027757
ACHTUNG: Das Museum ist schwer zu finden.
Anfahrtshinweis auf der Homepage (www.zusatzstoffmuseum.de):
"Vertrauen Sie weder der Google-maps Routenplanung noch der HVV-Fahrplanauskunft.
Von der Bushaltestelle Nagelsweg (Linien 3,120,124,34) aus erreichen
Sie das Museum am Tor Nord über ein Drehkreuz (ungeeignet für
Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen).
Klingeln Sie dort"