Montag, 17. November 2014

Umziehen mit Kind und Kegel


Warum tut man sich das eigentlich an? Seinen gesamten Haustand in Kisten zu verpacken und dann mit Mann und Maus irgendwo anders seine Zelte aufzuschlagen?

Wir sind nun wirklich umzugserprobt: von Ostwestfalen in die Pfalz und dann in den Hohen Norden. Kulturschock immer gleich inklusive. So habe ich doch letztens selbst nach fast fünf Jahren hier im Norden auf "Moin" mit "Guten Morgen" geantwortet - und das am Nachmittag!! Mein Mann als waschechtes Nordlicht war darüber natürlich entsprechend amüsiert. Aber auch in der Pfalz hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten und fühlte mich teilweise wirklich wie ein Exot mit einer völlig anderen Muttersprache. Es dauerte einige Zeit, bis ich zumindest soweit war, zu verstehen. Meine Kinder haben den Dialekt schon teilweise übernommen, als wir nach vier Jahren unsere Zelte dort wieder abgebrochen haben.

Und nun ziehen wir wieder weiter. Noch nördlicher, Dänemark ist nun nicht mehr weit und wird künftig von uns erobert. Von den Besonderheiten Südjütlands wird dann hier des Öfteren zu lesen sein, denn die dänische Grenze ist nur noch ca. 30 km von unserem neuen zu Hause entfernt. Auch an der Ostsee sind wir im Nullkommanichts!

Man merkt schon, ich freue mich sehr darauf, mich mal wieder in ein neues Abenteuer zu stürzen und auch die Kinder sind überraschenderweise Feuer und Flamme. Die hier genüpften Freundschaften trauert (im Moment!!) noch keiner von Beiden hinterher, wohl aber weil sie aus Erfahrung wissen, dass einer wirklichen Freundschaft die Entfernung nichts anhaben kann. Ich muss zugeben, da fällt es mir schon deutlich schwerer Abschied zu nehmen. Aber die ersten Besuche sind schon fest geplant, so dass ich mich in meinem neuen Zuhause darauf schon freuen kann und ich bin sicher, dass das Telefon schon das ein oder andere Mal herhalten muss, wenn mich dann doch das Heimweh plagt...

Wenn ich hier so sitze und schreibe, dann ist plötzlich alles ganz leicht, wenn ich aber auf dem Dachboden stehe und versuche unsere Habseligkeiten in die Kategorien
  • Behalten
  • Verschenken
  • Verkaufen
einzuteilen, dann fühle ich mich oft leicht ratlos. Wir haben in der neuen Wohnung keinen Dachboden, keinen Keller. Meine Freundin meinte gleich: "Du wirst sehen, das ist ein Segen!", doch ein kleiner Restzweifel bleibt. Momentan ist nämlich unser halber Haushalt auf dem 50 m² großen Speicher untergebracht. Spiele, Stoffe, Bücher machen rund 90% unseres Dachbodenbestandes aus und bringen mich an den Rand der Verzweiflung. Ebay ist gerade mein bester Freund!

Das gleiche Szenario findet natürlich auch in der Wohnung statt, nur mit Tochter/Sohn/Ehemann, die jedes Teil, das ich auf den Verschenken oder Verkaufen Stapel legen will, vehemennt verteidigen. "DAS willst du doch wohl nicht weggeben. Das BRAUCHE ich noch!"
"Aha, und WOFÜR?!"
[An dieser Stelle folgt eine meist fadenscheinige Begründung]
"Seltsam, dass es bereits seit unserem Einzug vor knapp 5 Jahren, unbenutzt in der Ecke liegt."
[Jetzt kommt der Hinweis auf den hohen, unbezahlbaren Emotionalen bzw. Erinnerungswert]
"Ist ja gut", gebe ich mich geschlagen und packe es in den Karton. Minuten später landet es natürlich doch wieder auf dem Verschenken/Verkaufen Stapel, ganz unten versteckt unter ein paar anderen Sachen versteht sich.

Es mag hart erscheinen, aber solche Gegenstände hat noch NIE jemand wirklich vermisst, wenn wir den Umzug hinter uns gebracht haben. Und es sind im Laufe der Jahre einige Achsowichtige Sachen "verschwunden". Würde ich das alles aufbewahren, dann könnten in unserer Wohnung keinen Fuß mehr vor den anderen setzen vor lauter "Erinnerungsstücken".

In gut vier Wochen wird es Ernst und mir ist ganz schön mulmig. Wird alles klappen? Haben wir an alles gedacht?  Und dann sehe ich mich mit meiner Patchworkhäkeldecke (mein Momentanes Umzugsstress-Ablenkungs-Projekt), die dann fertig sein wird vor unserem neuen Ofen gekuschelt liegen und weiß: Alles wird gut!

Donnerstag, 13. November 2014

Wer kennt dieses Foto?

Dringende Suche!

(c) unbekannt (Constanze?)

Das Foto wurde wahrscheinlich Mitte der 1950er Jahre aufgenommen und wurde seinerzeit in der Zeitschrift "Conztanze" (Vorgängerzeitschrift der Brigitte) abgedruckt. Leider ist das genaue Erscheidungsdatum der Zeitschrift unbekannt. Ob das Foto von Dr. Oetker für eine Puddingkampagne verwendet wurde wissen wir leider auch nicht. Eine Anfrage beim Puddinghersteller selbst blieb leider erfolglos - das Bild wurde im dortingen Archiv nicht gefunden.

Wer hat dieses Foto schon einmal gesehen oder hat sogar die gesuchte Zeitschrift?

Meine Freundin ist das Mädchen rechts im Bild und ist nun auf der Suche nach dem Originalfoto! Bitte helft mit, fragt gerne auch mal Muttis und Omas, ob sie vielleicht noch im Keller oder auf dem Speicher 
einen alten Zeitschriften-Fundus haben, wo sie genau diese eine Ausgabe drunter findet. 

Hinweise bitte per Mail an info@annoras-lifestyle.de - ich werde alles entsprechend weiterleiten.

Mittwoch, 5. November 2014

[England] National Glass Centre

Normalerweise sind wir uns immer sehr einig darüber, was wir besichtigen und ansehen wollen, doch manchmal läuft das auch so ab:

„Was willst du denn da?“, fragt mich mein Mann, als ich ihm einen kleinen Flyer vom National Glass Center unter die Nase halte. „Und vor allem, wann willst du das noch machen? Wir fahren doch schon morgen wieder!“ „Unsere Fähre fährt doch erst um 16:00 Uhr, das können wir locker vorher noch schaffen.“ „Ich weiß zwar immer noch nicht, was genau du da willst, aber meinetwegen können wir das machen“, entgegnet er resigniert.


Es ist weitaus größer, als ich gedacht habe, und auch Kevin ist deutlich positiv überrascht. Wie alle staatlichen Museen in Großbritannien zahlen wir hier keinen Eintritt, allerdings hinterlegen wir an der Kasse £10.00 Pfand, für zwei Rucksäcke, mit denen die Kinder die Ausstellung entdecken können. 

Doch bevor es losgeht, wollen die Kinder unbedingt den Workshop mitmachen, in dem man an diesem Tag Handpuppen selbst basteln kann. Also eigentlich will Finja den Workshop unbedingt mitmachen, Torben ist zunächst noch etwas verhalten, entscheidet sich dann aber doch, sich auch daran zu versuchen, wahrscheinlich ist das immer noch besser als die ganze Zeit zu warten. Schließlich weiß er aus Erfahung, dass es immer etwas länger dauern kann, wenn seine kleine Schwester an einem Basteltisch Platz nimmt. Kurze Zeit später sind Beide begeistert bei der Sache. Torben macht sich eine Homer Simpson Handpuppe, Finja eine Phantasiegestalt, aufwendig beklebt mit Glitzer und Glitter-Stickern. Ein typisches Finja-Werk eben.


Anschließend gehen wir mit dem Rucksack auf Detektivtour. Ein kleines Glasstück möchte mehr über seine Herkunft erfahren... Der „Fall“ ist nur auf Englisch verfügbar und so müssen wir ein bisschen übersetzen. Damit haben wir einen Teil der Ausstellung, nämlich der Glasherstellung , quasi „nebenbei“ durchlaufen. Bis zum Beginn der Schaubläserei ist noch etwas Zeit, die wir nutzen möchten, um uns die Glaskunst etwas genauer anzusehen. „Da sind wir sicher schnell durch“, meint Kevin und auch die Kinder trotten etwas gelangweilt in den Ausstellungsraum. Die ersten Kunstwerke reißen auch mich nicht vom Hocker, irgendwelche langweiligen Schalen und seltsame Objekte, die ich nicht mal mehr genau wiedergeben kann.


Doch als wir an der Seite vorbei in den nächsten Raum gehen, sind wir schlichtweg sprachlos. Was wir hier sehen, ist einfach unglaublich. Das hat den Namen Kunst wirklich verdient. Viele verschiedene Stilrichtungen wurden hier kombiniert. Gobelin mit Glas, wunderschöne und aufwendige Glasfiguren oder Gemälde mit Glaselementen, was wir hier sehen ist wahrhaftig das, was ich als KUNST bezeichnen würde. Wir können uns gar nicht sattsehen und immer wieder fallen uns weitere Kleinigkeiten auf.

Leider kommen Bilder nicht annährend an die Schönheit der Objekte dran:



Die Schaubläserei finde ich wahnsinnig interessant, zu sehen, wie die Glas-Objekte entstehen, wie viel Arbeitsschritte notwendig sind, bis so etwas fertig geworden ist. Manchmal stutze ich etwas, wenn die Glasbläser in das Glas schneiden, und staune, was dann im nächsten oder übernächsten Arbeitsschritt dabei rausgekommen ist. Es ist so heiß hier und ich habe wirklich Respekt vor denen, die den ganzen Tag vor diesen heißen Öfen arbeiten müssen. Um so mehr eindrucksvoller finde ich die zuvor gesehene Glaskunst. Und auch für Kinder finde ich das wichtig, sich bewusst zu machen, wie viel Arbeit hinter solchen Gegenständen steckt, um auch die Wertschätzung alltäglicher Dinge zu erhöhen.


Gegen Mittag machen wir uns wieder auf den Weg, natürlich nicht, ohne zumindest ein paar Murmeln aus dem Souvenir Shop mitgenommen zu haben. 

Wir alle sind sehr froh, dass wir uns noch zu diesem Besuch entschieden haben und auch mein Mann räumt ein, dass es eine tolle Idee war. 


National Glass Centre at a Glance
  • Parkplätze sind direkt vor der Tür verfügbar
  • für £5.00 Pfand bekommen Kinder einen kleinen Rucksack für die Erkundung des Museums mit einer kleinen Abenteuerreise durch das Museum (nur in Englisch verfügbar)
  •  jeden Samstag gibt es Bastelaktionen für Kinder
  • Hinweise zu weiteren (saisonalen) Workshops  und Bastelevents findet man auf der Homepage

Adresse:
National Glass Centre
Liberty Way
Sutherland
SR6 0GL
England

Öffnungszeiten:
täglich von 10:00 Uhr – 17:00 Uhr

Eintrittspreise:
Der Eintritt ist kostenlos.

Montag, 3. November 2014

[Scotland] Jedburgh Abby

- "Sind wir bald daaa?"
- "Ja, nur noch ein paar Meter"
- "Also laut Navi sind wir zumindest schon in der richtigen Strasse!"
- "Stopp, da ist es!"
- "Bist du sicher? Sieht eher aus wie eine Kirchenruine!"
- "Natürlich bin ich sicher, da oben auf der rechten Seite ist direkt ein Parkplatz. Da kannst du das Auto abstellen."
- "Also ich glaube immer noch, wir sind hier falsch, aber meinetwegen."
- "Genau, Mama wird's schon wissen, immerhin macht sie die Planung."
...
"Sag ich doch, hier sind wir richtig", als ich die Tür zu dem kleinen Shop und Ticketverkauf öffne. Ich lege unseren Explorer Pass an der Kasse vor, mit dem wir auch schon ins Edinburgh Castle gekommen sind. Wir erhalten vier Audioguides und machen uns, bewaffnet mit einem Guidebook (falls der Audioguide langweilig ist, lese ich mir die wichtigsten Informationen lieber selbst an) auf den Weg, das Gelände zu entdecken. Wir starten in einem kleinen Inforaum, der uns grob erklärt, was es mit der Ruine auf sich hat, wer hier gelebt hat und wann sie gebaut wurde. Das ist ganz sinnvoll, um erst mal einen kleinen Überblick zu erhalten.

Als wir wieder im Freien stehen, sind wir erst mal atemlos, denn vor uns liegt eine wunderschöne Klosterruine, die uns augenblicklich in ihren Bann zieht. Und nicht nur uns, sondern auch die Kinder.


So sehr ich auch versuche, diesen Anblick mit der Kamera einzufangen, es kommt kaum an die Realität heran. Ich stelle mir vor, wie schön das erst gewesen sein muss, als das Kloster noch intakt und genutzt war. Unser Audioguide startet und was dann passiert überrascht sowohl meinen Mann als auch mich. Ich muss gestehen, dass ich mich sehr auf diese Abby gefreut habe, denn lich liebe alte Bauwerke und insbesondere Ruinen üben einen ganz eigenen Reiz auf mich aus. Ich hätte erwartet, dass es die Kinder eher nicht so interessiert, dachte aber, dass die Besichtigung auch nicht mehr als eine Stunde dauern würde. Doch genau das Gegenteil war der Fall, die Kinder hingen vom ersten Moment an der Stimme des Sprechers. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, vor allem nicht, nachdem sie bereits den ganzen Morgen auf der Britannia mit einem Audioguide herum gelaufen sind.

Was also macht diesen Audioguide so besonders? Es ist zum einen die Abby selbst, die unglaublich spannend ist, die mysteriös aussieht und Geschichte ausstrahlt. Was passierte hier vor mehreren hundert Jahren? Alles wirkt äußerst geheimnissvoll. Das ist Großbritannien, wie ich es liebe!!!

Zum anderen ist es aber auch die Art, in der der Audioguide aufgebaut ist. Die Begebenheiten vor Ort werden so genau beschrieben, dass sich vor dem inneren Auge sogleich etwas aufbaut, aufgrund der Beschreibungen erweckt dieser Ort plötzlich wieder zum Leben. Es ist nur schwer zu beschreiben, aber auf diese Art ist man auf merkwürdige Weise in der Abby "gefangen", dass man einfach zuhören muss.

Und, was das Ganze weiter interessant macht, sind die Wegbeschreibungen zu dem nächsten Erklärpunkten. "Gehe nun bis zu der Säule auf der Linken Seite und erfahre mehr über den Altarraum." Aus irgendeinem Grund wird das für die Kinder zu einer Art "Ralley" als Erste(r) am neuen Infopunkt anzukommen.

Bunte Schilder zeigen, wie die einzelnen Räume der Abby einmal ausgesehen haben und machen es uns leicht, sich das vorzustellen.


Begleitet uns auf einen kleinen (Foto-)Rundgang durch die Abby!














Als wir in den Klostergärten ankommen, brauchen wir erst mal eine kleine Pause, daher machen wir es uns auf einer der Bänke gemütlich und lauschen den Erklärungen zu den Gärten allgemein und den Pflanzen im speziellen (muss man nicht unbedingt auswählen, verlängert aber die Pause ;-) ).

Die Abby selbst liegt hinter uns, aber die Außenanlagen wollen noch besichtigt werden. Die Küche oder die Zimmer des Abts sind heute nur noch Ruinen, und irgendwie weht ein Hauch der Vergänglichkeit. Wie schön und prunkvoll es hier einst war, aber durch die Nähe zu England war das Kloster immer wieder Angriffen ausgesetzt, denen es letztendlich nicht standhalten konnte. Was für eine Tragödie!


Dadurch, dass man die einzelnen Stationen immer neu anwählen muss, kann man die Abby ganz in seinem eigenen Tempo erkunden: Sich nach den Erklärungen Info-Tafeln durchlesen oder einfach einen Moment auf einer der Treppenstufen Platz nehmen und den Ort auf sich wirken lassen.

Am Ende sind aus der einen Stunde drei geworden, als wir Jedburg Abby wieder den Rücken kehren, ist es bereits später nachmittag.

Wir sind uns einig, dass dies ein ganz besonderer Ort war, und ein tolles Ausflugsziel! Wie gesagt, die Begeisterung der Kinder überrascht uns selbst etwas, weil wir das so gar nicht erwartet haben.

Natürlich müssen wir am Ende noch eine kleine Runde durch den Shop drehen, bevor wir wieder uns auf den Weg zu unserem Auto machen.

- "Mama, das war richtig klasse."
- "Ja, das war toll, aber Schatz, so ganz richtig waren wir hier aber nun nicht!"
- "Natürlich waren wir hier richtig!"
- "Wollten wir nicht eigentlich in das Gefängnis-Museum?"
- "Ähm, stimmt, da war was....."
- "Macht ja nichts!"
- "Als wir hier vorbei fuhren, fühlte es sich plötzlich so richtig an!"

Tja, so ist das manchmal. Wir wollten ursprünglich tatsächlich erst in das Gefängnismuseum, das in der gleichen Strasse ein paar Meter weiter liegt. Das allerdings hatte ich wohl vollständig verdrängt, beim Anblick der Abby.

- "Egal, dann machen wir das eben jetzt noch, in welcher Reihenfolge wir das machen, spielt doch keine Rolle! Wo wir geparkt haben, ist doch direkt die Touristeninformation, da fragen wir mal nach, wo genau dieses Gefängnis-Museum nun ist."
....
- "No problem, go straight ahead this street and you'll find the museum at the right after a few minutes."
- "Ähm, John... remember..."
- "Ah, all right, I'm sorry, the museum closes in 10 minutes. You may come back tomorrow."
....
- "Na toll, und jetzt?"
- "Das Restaurant habe ich erst in zwei Stunden gebucht."
- "Hey, das war doch keine Absicht, lass uns erst mal zum Auto und dann schauen wir weiter."
- "Da wirst du nichts finden, oder hast du vergessen, die Museen schließen hier doch immer so früh."
- "Abwarten."
...
- "Ich hab was: Die Melrose Abby, nur wenige Kilometer von hier, hätte bis 18:00 Uhr auf."
- "Meinst du das lohnt sich?"
- "Zumindest mehr, als hier ratlos im Auto zu sitzen. Außerdem brauchen wir mit dem Explorer Pass keinen Eintritt zu bezahlen."
- "Das ist natürlich ein Argument!"

Adresse:

Abbey Bridge End
Jedburgh TD8 6JQ
Vereinigtes Königreich

Öffnungszeiten:

1. April - 30. September täglich von 9:30 bis 17:30 Uhr
1. Oktober - 31. März täglich von 9:30 - 16:30 Uhr

Eintrittspreise:

Erwachsene: £5.50
Kinder:  £3.30

Freitag, 31. Oktober 2014

[Family on Tour] Ziegelei-Museum in Lage



Ziegel? Ein ganzes Museum nur mit Ziegeln? In der Ziegelstadt Lage gibt es das seit den 80er Jahren. Dennoch wusste ich bis vor ein paar Wochen nicht einmal, dass es hier so eine tolle Anlage gibt. Im Sommer war die Zeit leider zu knapp, daher haben wir das schöne Herbstwetter am letzten Sonntag genutzt, um es uns anzusehen. 

Unterstützt wurde diese Entscheidung von der Tatsache, dass an diesem Wochenende dort auch ein Töpfermarkt stattfand. Da ich mich einer kleinen Töpfergruppe in der Nachbargemeinde angeschlossen habe, ideal um Anregungen für die eigenen Arbeiten zu finden. Somit hat sich die Fahrt dorthin gleich doppelt gelohnt. 

Nach einem kleinen Rundgang über den Töpfermarkt mit über 30 Ausstellern haben wir uns einer Führung angeschlossen, die als kleines Zusatzangebot an diesem Tag (wie auch der Eintritt) kostenlos angeboten wurde. 

Gleich zu Beginn der Führung mussten wir uns entscheiden: Entweder ein technischer Rundgang oder ein Rundgang, der sich mit den Lebensbedingungen der Arbeiter und ihren Familien in der Fremde beschäftigt. Die Mehrheit hat sich für den technischen Rundgang durch die Produktionsanlagen entschieden, was ich zunächst etwas schade fand. Dennoch war ich am Ende sehr froh über diese Entscheidung unserer Gruppe. 

Eine fröhliche und freundliche Dame, begleitet uns durch die Anlagen und erklärt, wie hier vor über 100 Jahren die ersten Ziegelsteine hergestellt wurden. Gemeinsam gehen wir mir auf eine kleine Zeitreise bis in mein Geburtsjahr 1979, als der Betrieb geschlossen wurde. 


Hat euch schon mal jemand gesagt, dass ihr Käsemauken habt? Hoffentlich nicht, denn damit meint man im heutigen Sprachgebrauch übel riechende Füße. Doch seinen Ursprung hat dieses Wort eigentlich woanders, nämlich am Anfang des Ziegelsteines. In der sogenannten Maukegrube wurde der Lehm weicher gemacht.  Dafür lief ein Pferd im Kreis und sollte sich dabei auch erleichtern, denn die Bakterien wurden benötigt, um mit dem Lehm zu reagieren. Erst dann ist der Lehm verarbeitungsfähig. 

Jetzt kommt der Kollege ins Spiel, der (ohne Scherz) den passenden Namen zu seinem Beruf hat: Mike Steinchen. Er zeigt uns, wie aus dem Lehn Ziegel geformt werden. Eigentlich funktioniert das genau wie Kuchen backen, Form  an den Rändern mit Sand ausstreichen, Lehm einfüllen und die Form wieder rausziehen. Ein Arbeiter dieser Zeit hat in der Stunde 200 solcher Ziegel gefertigt. Was das für eine Leistung ist, sollte ich später noch feststellen.


Anschließend müssen die Ziegel 7-8 Wochen trocken und dabei immer wieder gewendet werden. Erst danach können sie gebrannt werden. 

Dazu baut man einen Ofen, in dem die Ziegel einen Tag und eine Nacht (je nach Größe des Ofens) brennen. Dann ist der Ziegel fertig. 

40 Jahre später, als die Ziegelproduktion durch Krieg und dann auch durch das Wirtschaftswunder und dem damit verbundenen Wiederaufbau seine Blütezeit erlebt hatte, wurden einige Investitionen getätigt um die Produktion auf die maschinelle Fertigung umzustellen.


Jetzt kann man deutlich mehr Ziegel in weniger Zeit herstellen.
Der Lehm gelang mit den Muldenkippern in die erste Etage der Fabrikhalle. Von dort aus gelangt er in die den Kastenbeschicker und wird anschließend in durch die Haspel gedreht, um zerkleinert zu werden.

Jetzt noch schnell die großen Steine herauslesen und ab in den Kollergang, wo der trockene Lehm wieder mit Wasser vermengt um eine ideale Konsistenz zu erhalten. Nun können die Ziegel geformt werden und gleichmäßig in einzelne Ziegel geschnitten werden. Damit ist der Ziegel als solcher fertig. Nach dem Trocknen geht es in den Hoffmannschen Ringofen, wo die Ziegel gebrannt werden. Die Ofenfunktion selbst kann ich nicht erklären, das war mir zu viel Physik in zu kurzer Zeit (und das war noch nie meine Stärke!). 


 

Unser Rundgang endet auf dem Dach des Ofens, der schon zu seiner Betriebszeit ein beliebter Spielplatz für die Nachbarskinder und warme Erholungsstätte für die Rückenschmerzen geplagten Arbeiter war. Hier können wir sehen, wie sich die Technik verändert hat, denn der Brennmeister musste sich immer neuen technischen Entwicklungen anpassen. Von einer einfachen Öffnung im Dach, mit der er die Glut betrachten konnte, bis hin zu modernen Öl-Heiz-Verfahren, musste er immer die Temperatur halten können, um ein optimales Brennergebnis zu erzielen.
Insgesamt dauert der Rundgang 1,5 Stunden, und ist sehr interessant und auch kurzweilig. Immer wieder wird das Publikum mit einbezogen und insbesondere Torben fand das natürlich klasse, dass er immer wieder angesprochen wurde.  
Anschließend schauen wir uns die Lebensart der Arbeiter noch auf eigene Faust an. Durch die Schilder, die überall aufgestellt sind, erklärt sich das Thema auch ohne Führung von selbst. Es gibt ein Haus, das die Unterkünfte in der Ziegelei zeigt, und ein Haus, das die Trennung von zu Hause thematisiert, samt der Schwierigkeiten der zurückgebliebenen Frauen. 

Die Ziegelei mit Kindern?

Durchaus!!! Wer denkt, dass man hier nur an alten Maschinen entlanggeht, der täuscht, das gesamte Museum ist sehr stark auf den Besuch von Kindern ausgerichtet. Das beginnt schon bei den beiden Maskottchen des Museums: Toni – einem kleinen, wissbegierigem Ziegelstein und Herrn Lehmann, einem Ziegelarbeiter. Sie begleiten die Kinder die ganze Zeit durch das Museum. Man findet sie an allen wichtigen und interessanten Stellen auf Comictafeln, in denen sie die Maschinen oder Vorgänge in einem kindgerechten Dialog und mit ansprechenden Bildern verständlichen machen. So werden selbst komplexe Themen greifbar und spannend für die Kinder. 

Außerdem gibt es immer wieder Mitmachstationen, an denen die Kinder selbst ausprobieren können. Beim Aufzug des Muldenkippers ist der Vorgang anhand einer Holzeisenbahn erklärt, an der die Kinder spielen können und an anderer Stelle können die Kinder selbst kleine Ziegel von einer großen Stange abschneiden, die sie an der Lehmpresse selbst hergestellt haben.  Ein Modell finden die Kinder auch am Ringofen, wo die Kinder die Arbeit des Brenners übernehmen können, der das Feuer anheizt und am Kollergang.

Das Highlight ist natürlich die Möglichkeit, einen eigenen Ziegel herzustellen. Auch Torben und ich lassen uns das natürlich nicht entgehen. Wir bekommen große Schürzen und dann kann es auch schon losgehen. Lehm aus der Grube holen, Form auswaschen und mit Sand ausstreichen, Lehm in die Form „klatschen“ und aus der Form nehmen.  Unsere Hände sind voller Lehm und zugegeben, wir haben bei dieser „Arbeit“ richtig viel Spaß. Mike Steinchen ist auch vor Ort und steht als Hilfe immer zur Verfügung. Man merkt ihm an, wie viel Spaß ihm sein Beruf macht. Als unsere Ziegel aus der Form genommen sind, dürfen wir sie nach Herzenslust verzieren. Schade, dass Finja dieses Mal nicht dabei ist, denn das hätte ich sicher auch viel Spaß gemacht. 


Unsere Steine müssen nun 2 Monate trocknen, dann können sie gebrannt werden. Wir werden also Ostern noch einmal wiederkommen um unsere Steine abzuholen. Und dann kann auch Finja ihren Stein machen, den wir dann im Herbst abholen. Wir werden also das Museum noch ein paar Male besuchen. 

Ziegelei auf einen Blick
  • Das Museum bietet tolle Sonderaktionen an, die man auf der Homepage nachsehen kann – dann lohnt sich ein Besuch doppelt.
  • Die Museumsbahn fährt jeden ersten Sonntag im Montag (Fahrpreis/Person: 0,50 €)
  • Jeden Sonntag findet um 11:00 Uhr eine kostenlose Führung statt (es ist nur der normale Eintrittspreis zu zahlen) 
Adresse: 

LWL-Industriemuseum
Ziegeleimuseum Lage 
Sprikernheide 77
32791 Lage
Tel. 05232 9490-0

Öffnungszeiten:

 Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr sowie an Feiertagen. An Weihnachten (24. und 25.12.) sowie Sylvester und Neujahr ist das Museum geschlossen.

Eintrittspreise: 

Erwachsene: 3,00 €             
Kinder (6-17 J.): 1,50 €
Famlienkarte: 7,50 €